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Wähle nicht aus, selektioniere nicht – aber da ist schon alles verloren: denn man selektioniert und sonst nichts. Schon gar nicht tertium. Man erfasst diesen Gedanken nur um damit jenen zu vesenken, nicht entstehen zu lassen. Schreib mir, was du denkst und ich sage dir was du vergessen hast. Die Gedanken sind bekanntlich nicht etwas Vorformuliertes, das man nur in allgemein bekannte Zeichen übersetzen müsste, die Gedanken sind nur ein Impuls, der sich beim Formulieren von selbst entfaltet, wie ein Schmetterling, dem man beim Abfliegen zuschaut, eine Revolverpatrone, die viel zu schnell ist für das müde Menschenauge, ein Blitz, dem kein Donner folgt, das muss weit weg sein. Man schaut eigentlich immer hinterher, aber da ist kein Bahnsteig, kein Zug, der sich in Bewegung setzt, früher wäre einem ein Schnauben und Schnaufen, ein Stampfen und Dampfen eingefallen, aber die Elektrisierung hat schon unseren Vorstellungshaushalt verändert.
Item Ephemera, ich machte einigen vita brevissima adhuc brevior.
Carl v. Linné, Lappländische Reise, übersetzt von H. C. Artmann

