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Heinrich von Kleist hat in seinem aufsatz „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ fein beschrieben, was sich beim sprechen und denken unter anderem ereignet und wie sich die anwesenheit eines beliebigen gesprächspartners auf den fortlauf und die entwicklung der gedanekn auswirkt.
da wir in der regel kaum wissen, was wir sagen werden, wenn wir anfangen zu sprechen, und wir vor allem die zuspitzung und engführung der gedanken noch nicht ahnen, wenn sie sich entspinnen, verlagert Kleist den ort des geschehens vom zerebralen ich in ein „ungefähres“, eine art echokammer: „Denn nicht ‚wir‘ wissen, es ist allererst ein gewisser ‚Zustand‘ unsrer, welcher weiß.“ Der redner bewegt sich, um seinen gedanken zu finden.
Susan Sontag hat das noch grundsätzlicher gefasst: „Ich schreibe um herauszufinden, was ich denke“. MIr geht es beim fotografieren ähnlich: „Ich fotografiere um herauszufinden, was ich sehe.“