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Polz spürt an manchen Tagen gegenwind, der, nimmt Polz an, von einem unterdruck in anderen weltgegenden herrührt. Polz kann nicht ausschließen, dass er selbst der raum ist, in dem der unterdruck sich bildet. Denkbar wären bestimmte entleerte oder vakuumierte teile seines inneren. Könnte es ein, dass die leber leer ist? Das herz am ende? Für Polz steht seit monaten fest, dass es in seinem inneren gegenden gibt, von denen er keine kenntnis hat. „ich bin mein afrika“, sagt Polz zu Herkommer.
„Vor oder nach der kolonisierung?“
„Vorher“, sagt Polz.
Neben diesen gelegentlichen befürchtungen, hat Polz manchmal angst. Nicht vor den enfesselten kräften des kapitalmarktes. Nicht vor schlangen, nattern bunt, vipern grün, grau oder wie immer gemustert, gefleckt, gepunktet. Schon gar nicht vor wind und wolkenbrüchen. Auch die zukunft wächst sich nicht zu einer bedrohung aus. Straßen zu überqueren ist ebenso wenig angsterregend für Polz, wie die auswahl der abendlichen garderobe. Einige wochen war Polz der überzeugung, er habe angst vor einsamkeit, bis er eines montags diese überzeugung verloren hatte, unauffindbar dahin.
„Krebs und cholera können einem schon angst machen“, sagt Polz, „aber mir nicht.“
Da muss schon etwas anderes kommen. Ein auto mit hoher geschwindigkeit vielleicht. es fährt vorbei, ohne das Polz anderes als den fahrtwind spürt. Er wartet noch ein auto mit mittlerer geschwindigkeit ab und ein aggressiv rot lackiertes. Fehlanzeige. Polz schaut schweigend in sich hinein und gibt an dieser stelle vorerst keine weiteren auskünfte.
Avenue Angeline Branzeau
Avenue Angeline Branzeau