Die Vergangeheit ist immer neu. Sie verändert sich dauernd, wie ds Leben fortschreitet. Teile von ihr, die in Vergessenheit vrsunken schienen, tauche wieder auf, andere wiederum versinken, weil sie weniger wichtig sind. Die Gegenwart dirigiert die Vergangenheit wie die Mitglieder eines Orchesters. Sie benötigt diese Töne und keine anderen. So erscheint die Vergangenheit bald lang, bald kurz. Bald klingt sie auf, bald verstummt sie. In der Gegenwart wirkt nur jener Teil des Vergangenen hinein, der dazu bestimmt ist, sie zu erhellen oder zu verdunkeln.
Italo Svevo, cit nach Assmann, Erinnerungsräume, 17